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Kunigoldis

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Kunigoldis

Helisee - Die Welt von Andreas Sommer
Veröffentlicht von Andreas Sommer in Fantasy · Samstag 25 Jul 2026 · Lesezeit 6 Minuten
Tags: Fantasy, Wartburg, Helisee
Kunigoldis
 
Was hat die Aargauer Sage von der Schönen Küngold mit Helisee zu tun
 
 
«Küngold war eine anmutige, zierliche aber auch eigensinnige Jungfrau aus einer Adelsfamilie im Burgund. Sie liebte das Leben, das Lachen, den Tanz. Doch dann wurde sie mit dem rauherzigen Twingherrn von der Wartburg ob Olten, den man nur den "Ifenthaler" nannte, verheiratet. Der aber liebte mehr das rohe Kriegshandwerk, Abenteuer und Zechgelage mit seinen Kumpanen und war mehr abwesend denn zu Hause. (…) Derweil langweilte sich Küngold unsäglich auf der einsamen Burg. Sie sann nach Abwechslung. Der misstrauische Ehemann jedoch hatte ihr drei Bewacher zur Seite befohlen, die niemals von ihr weichen durften, so auch auf ihren Ausritten nicht, bei denen sie das Städtchen Zofingen bevorzugte…»

So ist die romantische Rittersage über die Schöne Küngold und den Elfentanz am Looweiher auf www.sagen.at festgehalten.

Dieses unglücklich vermählte Edelfräulein mit seiner heimlichen Verbindung zu der Welt der Feen stand Pate für die Dame Kunigoldis, welche im dritten Teil der Helisee-Saga, «Das Lied des Mondvogels», eine der weiblichen Hauptrollen bekleidet. Während sie in der originalen Sage einfach als «anmutige und eigensinnige Jungfrau aus Burgund» beschrieben wird, verkörpert sie in meiner Erzählung eine Base der Königin Bertha, welche an deren Hof gekommen ist, um einem reichstreuen Edelmann anverheiratet zu werden. Sie ist mit der Aufsicht über die königlichen Prinzenkinder betraut und widmet sich liebend gerne dem Lautenspiel.
 
Als Ernestus mit seinem Vater an den Hoftag nach Saladûris (Solothurn) kommt, wo der König und die Königin alle Vasallen ihres Reiches empfangen, trifft der junge Feenfreund die liebliche Edelmaid zum ersten Mal in der Verenaschlucht und ist sogleich berührt von ihr. Im Zuge seines Aufenthaltes an Königin Berthas Hof nähert er sich ihr an, teilt mit ihr die Freude an der Musik und verliert letztlich sein Herz an sie. Dass sie den Elbischen nähersteht als sie zugibt, entdeckt er jedoch erst im Laufe der Zeit. Später wird seine Freundschaft mit ihr zu einer wichtigen Voraussetzung für die Enthüllung jener Mysterien, die mit dem wundersamen Mondvogel zusammenhängen und die in letzter Konsequenz über das Wohl und Wehe des Königreiches Birgunt entscheiden. Auch der rauherzige Twingherr aus der Sage, Küngolds künftiger Gemahl, hat im dritten Teil der Romanreihe seinen Auftritt. Mehr sei an dieser Stelle jedoch noch nicht verraten.
 
Obwohl sich die Schauplätze meiner epischen Romanreihe mehrheitlich in der Westschweiz befinden, schöpfe ich liebend gerne auch aus den Sagenüberlieferungen anderer Regionen. Die Geschichte von der Schönen Küngold begleitet mich seit vielen Jahren. Da sie meinen Töchtern ausnehmend gut gefällt, habe ich sie allein bei uns zuhause schon viele Male zum Besten gegeben. In ihr vermischen sich Ritterromantik, Feenzauber und die geheimnisvollen Stimmungen eines verwunschenen Waldweihers mit einer dramatischen Liebesgeschichte, welche letzten Endes zum Glück gut ausgeht. Mich hat diese Sage dermassen gepackt, dass ich mich aufgemacht habe, den Schauplatz der Mär, die Wartburg südlich von Olten, zu erkunden. Wie ich festgestellt habe, gab es auf der Hügelkuppe einst sogar zwei Wartburgen, die in kurzer Entfernung voneinander liegen. Nach einer anderen Sage aus der Region gehörten sie zwei verfeindeten Brüdern, deren unversöhnlicher Hass aufeinander einen tödlichen Ausgang nahm und zur Zerstörung der Burgen führte. Deshalb ist davon nur noch zerfallenes Mauerwerk übrig. Welche von beiden Wartburgen dem Ritter aus der Küngold-Sage als Wohnsitz diente, habe ich nicht herausgefunden. Aber die Lage der Ruinen mitten im Wald, zuoberst auf dem Hügel, hoch über der Aare und im Angesicht der nahen Jurakette, sorgt noch heute für ein magisches Erlebnis. Wer sich selbst dort oben umschauen möchte, kann ab Bahnhof Olten mit der Buslinie 503 Richtung Starrkirch-Will fahren und bei der Haltestellen Olten, Wilerfeld aussteigen. Von dort führt eine kurze Wanderung in ca. 40 Minuten über den Wildpark Mühletäli und das Müliloch hinauf zu den Wartburgen.
 
 
Da meine fantastische Heimat-Saga in der realen Landschaft verankert ist, können die darin beschriebenen Örtlichkeiten auch heute noch aufgesucht werden. Natürlich entsprechen sie nach mehr als tausend Jahren oft nicht mehr meinen Beschreibungen, doch bieten sie noch immer geeignete Ausgangspunkte für magische Erlebnisse in der heimischen Anderswelt.

Welche Rolle die Wirkung von Tollkirschensaft und schleierhafte Elfengewänder in der Sage spielen, was der Name der Heldin mit dem heutigen Dorf Küngoldingen bei Zofingen zu tun hat, und inwiefern eine andere verbreitete Sagengestalt unserer Überlieferung, der Wilde Jäger Türst, darin auch noch mitgemischt hat, erklärt die aufgezeichnete Original-Sage, welche unter www.sagen.at/texte/sagen/schweiz/aargau/kuengold.html nachzulesen ist.

Zum Abschluss dieses Beitrages ein kurzer Auszug aus dem neuen Helisee-Band, in welchem Kunigoldis dem jungen Ernestus ihre Zuneigung zu den Feen offenbart, nachdem dieser für sie auf einer Zauberflöte aus Nuithônia aufgespielt hat:

«Ich habe sie gesehen», seufzte Kunigoldis beglückt und blickte dem jungen Musikanten direkt in die Augen. Das selige Leuchten darin liess den Betrachter wohlig erschauern. «Nicht die Feuervögel. Aber die Feen. Es war wundervoll, Ernestus. Lichtumflossene Gestalten, so zart und dennoch voller Kraft. Sie haben über dem dunklen Wasser einen wundersamen Tanz vollführt, wie ein Wirbel von Funken und leuchtenden Schleiern. Und sie haben mir Worte zugeflüstert.»

«Weisst du noch, was sie zu dir gesagt haben?», fragte Ernestus beeindruckt. Die Bestätigung, dass die Maid hinter seinem Lied annähernd dasselbe gesehen hatte wie er, faszinierte ihn.

«Sie haben mich gerufen», erwiderte die Edeldame lächelnd und blickte nachgerade durch den jungen Mann hindurch. «Ohne dich sind wir Neune, aber mit dir vollzählig und nie mehr alleine. Das haben sie im Chor gewispert. Immer und immer wieder. Und ich verspürte einen unbändigen Drang, mit ihnen zu tanzen. Alles Beschwerende abzulegen und mich einfach in ihren luftigen Kreis einzureihen. Ach, Ernestus, am liebsten hätte ich mich mit ihnen aufgelöst.»

Wer mehr darüber erfahren möchte: Helisee, Band 3, «Das Lied des Mondvogels», erscheint bald: Anfang September 2026.

Die Vernissage des Romans findet am 16. September um 19.15 Uhr in der Buchhandlung Orell Füssli in Thun statt.
Bildquelle: Aargau Tourismus







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