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		<title><![CDATA[Andreas Sommer - Der Blog]]></title>
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		<description><![CDATA[Erfahren Sie alles über den Fantasyautor Andreas Sommer und seine Helisee-Reihe.]]></description>
		<language>DE</language>
		<lastBuildDate>Fri, 13 Mar 2026 09:42:00 +0100</lastBuildDate>
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			<title><![CDATA[Das achtspeichige Rad]]></title>
			<author><![CDATA[Andreas Sommer]]></author>
			<category domain="http://www.helisee.ch/blog/index.php?category=Fantasy"><![CDATA[Fantasy]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_000000006"><div></div><div><b><span class="fs14lh1-5 ff1">Das achtspeichige Rad</span></b></div> &nbsp;<div><b><span class="ff1">Ein alteuropäisches Zeitkonzept</span></b></div><div><span class="fs11lh1-5"> </span><br></div><div><i><span class="ff1">In der Zeit der Heiligen Tage im Jahresrad stehen die Tore offen. </span></i><span class="ff1">Dieser Satz taucht in den «Helisee»-Romanen immer wieder auf. Er beschreibt quasi einen Fahrplan für die Öffnungszeiten der Feenpforten, welche von der irdischen Welt nach Helisee hinüberführen. Es handelt sich dabei freilich nicht um eine fantastische Erfindung des Autors, sondern – wie im Falle vieler anderer Elemente der Romanreihe auch – um die Adaption realer Traditionen aus der Perspektive unserer Vorfahren.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Die Waldbauern im alten Europa waren auch nach der Christianisierung noch lange geprägt durch religiöse Vorstellungen und mythologische Konzepte ihrer keltisch-germanischen Ahnen. Denn die meisten Menschen lebten noch lange Zeit ausschliesslich von den Gaben des lebendigen Landes, sie waren Bauern und Hirten, Fischer und Jäger – und als solche auf die Gunst der Naturkräfte angewiesen. Da sie die Phänomene ihrer Mitwelt sehr genau beobachteten und aus den festgestellten Gesetzmässigkeiten den Willen der Götter deuteten, waren sie mit dem zyklischen Verlauf der wiederkehrenden Jahreszeiten tiefgründig vertraut. Das Werden und Vergehen, Erblühen und Verwelken, Wachsen und Zerfallen bildete die Grundlage ihres Daseins. Dass sich im Zyklus der Jahreszeiten auch astronomische Regelmässigkeiten abbildeten, war den Menschen seit undenklichen Zeiten bekannt - und sie schufen daraus ihre Zeitrechnung.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Das unablässige Kreisen der Jahreszeiten führte zu der Vorstellung des Zeitenlaufs als Ewiges Rad – und die zeitlichen Konstanten darin bildeten dessen Speichen; in vorgeschichtlicher Zeit waren es zunächst deren vier, später wurden daraus etwas differenzierter acht an der Zahl. Vorgegeben waren diese Stationen durch die beiden Sonnwenden zu Mittsommer (21.6.) und Mittwinter (21.12.) sowie durch die beiden Tagnachtgleichen (Äquinoktien) im Frühling (21.3.) und im Herbst (21.9.). Diese vier Tage bildeten das solare Kreuz innerhalb des achtspeichigen Rades. Ergänzend dazu kamen vier sogenannte Kreuzvierteltage, welche jeweils zwischen zwei solaren Ereignissen angesiedelt und anhand des Mondlaufs definiert wurden: Der zunehmende Sichelmond im Februar, der Vollmond im Mai, der abnehmende Sichelmond im August und der Neumond im November, die naturgemäss nicht auf ein fixes Datum fallen, sondern jedes Jahr variabel sind. Aus der Kombination von je vier solaren und lunaren Zeitpunkten ergibt sich ein Rad mit acht Speichen.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Da dieses Rad quasi die gesamte Wirklichkeit mit ihren Aspekten und ihrer rhythmischen Dynamik wiedergab, galt es als machtvolles geistiges Symbol, als magische Landkarte der vieldimensionalen Wirklichkeit gewissermassen. In den Hinterlassenschaften der antiken Völker Mitteleuropas finden sich viele entsprechende Darstellungen, beispielsweise in Form der sogenannten Rädchenamulette, die von Archäologen verbreitet an Opferplätzen oder als Grabbeigaben gefunden wurden. Entsprechend dürfte es nicht verwundern, dass dieses Symbol in der «Helisee»-Welt auch auf jenen beiden Feenmedaillons zu finden ist, welche in meiner Saga machtvolle Schlüssel für die Reise zwischen den Welten darstellen.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1"> </span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Jeder der im Rad festgelegten Jahreszeiten-Stationen wurden von unseren Altvorderen bestimmte Qualitäten, Prinzipien und Gottheiten zugeschrieben - und sie waren demnach mit rituellen Feierlichkeiten verbunden, welche die verschiedenen germanischen und keltischen Stämme in jeweils lokalen Abwandlungen begingen. Naturgemäss dürften sie sich in den verschiedenen Regionen jedoch sehr ähnlich gewesen sein, da sie ein archetypisches Geschehen im alljährlichen Drama des sich wandelnden Naturgeschehens versinnbildlichten. Aus diversen Rekonstruktionen (vor allem aus der keltisch-irischen Tradition) sind heute bestimmte Namen für die einzelnen Jahreszeitenfeste geläufig, zum Beispiel: Beltaine für das Maifest, Litha für die Sommersonnenwende, Samhain für das Ahnenfest im November.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Da ich im Kontext meiner Romane jedoch nicht über die irisch-gälische Kultur schreibe, sondern eine frühmittelalterliche und keltisch-helvetisch geprägte Vor-Schweiz nachzuzeichnen versuche, habe ich in Anlehnung an die bekannten Zusammenhänge neue Namen entworfen, die – soviel sei hier ausdrücklich gesagt – Eigenkreationen sind, zwar aus nachweisbaren Grundlagen hergeleitet, aber von mir neu benannt. Im «Drachenberg», welcher in der postkeltischen Ära des 6. Jahrhunderts angesiedelt ist, verwende ich für die Bezeichnung der acht Jahresfeste noch pseudo-gallische Namen. In der «Helisee»-Saga, welche vier Jahrhunderte später spielt, sind diese Namen bereits stark abgewandelt und der damaligen historischen Entwicklung entsprechend stellenweise etwas «alemannisiert».</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Die nachfolgende Grafik bietet einen Überblick über das von mir adaptierte «Lebensrad» der alten Europäer mit den fiktiven Bezeichnungen aus dem 6. Jahrhundert («Drachenberg», </span><i><span class="ff1">Namen kursiv geschrieben</span></i><span class="ff1">) und dem 10. Jahrhundert («Helisee», Namen regulär geschrieben):</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1"> </span><span class="fs11lh1-5 ff1"> </span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Gemäss der Anschauung unserer Vorfahren markierten diese acht Stationen nicht nur Übergänge und Höhepunkte der jeweiligen Jahreszeiten, sondern sie waren auch erfüllt von einer spezifischen Magie, welche jeweils die gesamte Natur durchströmte und die Grenzen zwischen den verschiedenen Ebenen der Wirklichkeit aufhob. Dieses archaische Konzept habe ich für meine Romane unverändert aufgegriffen: die Sphären fliessen an diesen «Heiligen Tagen» ineinander über – und dadurch können Durchgänge zwischen der irdischen Welt (Irdenlande), dem Feenreich (Helisee) und dem Dunklen Land (Aunnauîn) bewusst oder unbewusst begangen werden. </span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Diese Perspektive ist jedoch – wie gesagt – keine Erfindung von mir, sondern schlägt sich beispielsweise auch in unserer landläufigen Sagentradition nieder, wenn es in den alten Geschichten etwa heisst, «in der Nacht auf den 1. Mai trafen sich die Hexen, um ihrem gehörnten Meister zu huldigen» (=&gt; Belden, Maifest) oder «an Allherheiligen offenbarten sich die Seelen der Verstorbenen und baten um Erlösung» (</span><span class="fs10lh1-5 ff1">=&gt; </span><span class="ff1">Samuîn, Ahnenfeier).</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1"> </span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">In direkter Übertragung der jahreszeitlichen Phänomenologie war jeder dieser Feiertage einer bestimmten Thematik gewidmet, deren Gesamtheit wiederum den stets sich wiederholenden Schöpfungszyklus beschrieb. Dem immerwährenden Kreisen von Werden und Vergehen, Leben – Tod – Wiedergeburt wurde so jedes Jahr von Neuem Schritt für Schritt nachgelebt. In welcher Form diese rituellen Feiern von den Gemeinschaften im alten Europa begangen wurden, ist wiederum Gegenstand der Interpretation. Ich habe mich an gängigen Rekonstruktionen und Schilderungen orientiert, aber zusätzlich meine eigene Imagination einfliessen lassen. Das Grundmuster der Motive ist jedoch durch die jahreszeitliche Analogie vorgegeben.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1"> </span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">So stellt das achtspeichige Rad der alteuropäischen Tradition, das «Lebensrad», also nicht nur eine kalendarische Darstellung des Jahreslaufs mit seinen astronomisch durch Sonnen- und Mondbewegung vorgezeichneten Fixpunkten dar, sondern auch ein spirituelles Orientierungssystem, welches den Rhythmus der Schöpfungskraft, den Kreisfluss aller natürlichen Entwicklungsprozesse und letzten Endes auch die Wandelbewegungen der menschlichen Seele beschreibt.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Überaus interessante Betrachtungen zu diesen Zusammenhängen hat unter anderem die Naturtherapeutin Ursula Seghezzi angestellt; sie hat dieses Lebensrad aus dem Blickwinkel der heimischen Mythologie eingehend beleuchtet, die archetypischen Bilder unserer Sagen und Märchen den entsprechenden Stationen zugeordnet und daraus allgemeine Gesetzmässigkeiten von Transformationsprozessen formuliert. Ich habe vor vielen Jahren bei Ursula eine zweijährige Ausbildung (Transformation in natura) absolviert und mich bei der Umsetzung dieses alten europäischen Konzepts wesentlich von ihrer Arbeit inspirieren lassen.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1"> </span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Abschliessend zu diesem Beitrag wage ich zu behaupten, dass das Konzept des achtspeichigen Rades und die damit verbundenen Aspekte bei der Ausarbeitung meiner Romanwelt das grundlegende Orientierungssystem lieferten, da ich mich immer wieder auf die Jahreszeiten, ihre Phänomene und Kräfte, ihre Wirkung auf die menschliche Seele beziehe. Der erste Band der Helisee-Saga («Der Ruf der Feenkönigin») ist vom zeitlichen Handlungsrahmen her sogar exakt auf ein solches «magisches Jahr» (von Belden zu Belden) angelegt und spiegelt in seinem Plot die Dynamik und Qualitäten der durchlaufenen Stationen wider.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Es handelt sich bei den von mir so viel zitierten «Heiligen Tagen im Jahresrad» also nicht um ein Fantasieprodukt, sondern um ein uraltes europäisches Welt- und Lebensverständnis, eine naturbasierte Perspektive, welche auch in heutiger Zeit von jedem Menschen in der alltäglichen Beobachtung spielend leicht nachvollzogen werden kann. Denn wir sind auch angesichts unseres modernen Lebenswandels nach wie vor massgeblich von der Dynamik der jahreszeitlichen Wandelbewegung geprägte Wesen. </span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Vielleicht wohnt dem achtspeichigen Rad gar das Potenzial inne, so etwas wie eine innere Landkarte zu sein, welche in bewegten Zeiten des Umbruchs Kontinuität, Halt und Orientierung vermitteln kann.</span></div><div><span class="ff1"><br></span></div><div><img class="image-0" src="http://www.helisee.ch/images/Raedchenamulette.jpg"  title="" alt=""/><span class="ff1"><br></span></div><div><br></div><div><img class="image-1" src="http://www.helisee.ch/images/AH-Logo.png"  title="" alt=""/><br></div><div><br></div><div><img class="image-2" src="http://www.helisee.ch/images/Das-achtspeichige-Rad-und-seine-Qualitaeten.jpg"  title="" alt=""/><br></div><div><br></div><div><img class="image-3" src="http://www.helisee.ch/images/Die-Jahreszeitenfeste-im-achtspeichigen-Rad.jpg"  title="" alt=""/><br></div> &nbsp;<div><span class="ff1"> </span></div></div>]]></description>
			<pubDate>Fri, 13 Mar 2026 08:42:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Königin Bertha]]></title>
			<author><![CDATA[Andreas Sommer]]></author>
			<category domain="http://www.helisee.ch/blog/index.php?category=Fantasy"><![CDATA[Fantasy]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_000000005"><div><b class="fs11lh1-5"><span class="fs14lh1-5 ff1">Königin Bertha</span></b><br></div><b class="fs11lh1-5"><span class="ff1">Die mythischen Allüren einer historischen Figur</span></b><br> &nbsp;<div><b><span class="ff1"> </span></b></div><div><i><span class="ff1">C’était au temps où la reine Berthe filait. </span></i><span class="ff1">Es geschah in jenen Zeiten, als Königin Bertha ihren Faden spann. So begann in der Westschweiz einst manche Märchenerzählung, aber dieselbe Wendung wurde in der Romandie auch gerne herangezogen, wenn man an die goldenen alten Zeiten erinnern wollte. In zahlreichen Sagen vom Berner Oberland bis in das Waadtland spielt die spinnende Königin von Burgund eine tragende Rolle: Da wird sie als behütende Landesmutter beschrieben, als Prüferin der Herzen und als Fürsprecherin der Frauen, der Tiere und der Vernachlässigten.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Bertha hat aber nicht nur in der Erinnerung des Volkes einen unsterblichen Platz errungen, sondern sie hat auch unverkennbare Spuren in Kultur und Geschichte hinterlassen: Nach lokaler Überlieferung soll sie hierzulande zahlreiche Gotteshäuser gestiftet haben: Amsoldingen, Köniz, Rüeggisberg und St. Imier berufen sich beispielsweise allein im Kanton Bern auf eine Stiftung durch die fromme Königin. Auch die zwölf 1000-jährigen Kirchen rund um den Thunersee sollen auf ihr Wirken zurückgehen. In Spiez, Bümpliz, Solothurn, Murten, Orbe, Payerne und Colombier VD sollen ihre Pfalzen gestanden haben, wo sie Hof hielt, wenn sie sich mit ihrem Gefolge durch ihr weitläufiges Reich bewegte. In ihrer Gestalt vermischen sich Historie und Mythos zu einem schillernden Mosaik.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Wer war diese sagenumwobene Herrscherin, welche lange vor der Gründung der Eidgenossenschaft ein Königreich regierte, welches sich von der Reuss im Osten und der Saône und Rhone im Westen bis hinab an die Mündung der Rhone und zu den Gestaden des Mittelmeeres erstreckte? Warum hat sie das Gedächtnis nachfolgender Generationen über Jahrhunderte geprägt wie kaum eine andere hochadlige Frau in unserem Gebiet?</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1"> </span></div><div><span class="ff1">Dem Geschichtsbuch zufolge wurde Bertha um das Jahr 907 als Tochter des rhätischen Herzogs Burkhard II und seiner Gemahlin Reglinde im ostfränkischen Herzogtum Schwaben geboren, welches zu jener Zeit auch die gesamte Schweiz östlich der Reuss umfasste. Ihr Vater stritt lange Jahre mit dem burgundischen König Rudolf II um die Vorherrschaft im Aargau, welcher damals die Einflussgebiete von Burgund und Schwaben trennte. Im Jahr 919 kam es bei Winterthur zur entscheidenden Schlacht, aus welcher Burkhard als Sieger hervorging. Fortan bildete die Reuss die March zwischen den beiden Reichen. Um den Frieden zu sichern, gab der schwäbische Herzog seine Tochter Bertha 922 in die Ehe mit seinem ehemaligen Feind Rudolf (was zu dieser Zeit eine gängige Praxis war, um Herrscherhäuser aneinanderzubinden) – und Bertha kam als alemannisch- und rhätischsprachige junge Frau von knapp 16 Jahren an den burgundischen Hof, wo Frankoprovenzalisch gesprochen wurde, eine Vorform des heutigen Französischen, die sich aus dem Latein entwickelt hatte. Während König Rudolf II weiterhin kriegerischen Ambitionen nachging, zeitweilig die lombardische Königskrone jenseits der Alpen erlangte und gegen die Magyaren (Reitervölker aus der ungarischen Tiefebene, in zeitgenössichen Quellen auch «Hunnen» genannt) ins Feld zog, hütete die zurückbleibende junge Königin das Reich, bewohnte die weit verstreuten ländlichen Pfalzen und gewann – so viel lässt ihre Popularität durchblicken - das Vertrauen ihrer Untertanen. Sie gebar insgesamt vier Kinder: Konrad, Adelheid (oder Adelaide), Burkhard und Rudolf. Als ihr Gemahl im Jahr 937 starb (aus Gründen, welche keine Chronik benennt), warb der mächtige König Hugo von Arles, welcher südlich der Alpen in der Lombardei herrschte, um ihre Hand, und sie ehelichte ihn bereits im Dezember desselben Jahres in Lausanne, um danach nach Pavia zu ziehen. Sie wird dies kaum aus Liebe getan haben, sondern vielmehr aus Sorge um den Fortbestand ihres Reiches, denn der legitime Nachfolger des verstorbenen Königs war damals noch ein Knabe und nicht regimentsfähig. Deshalb gab sie sich zusammen mit dem Geschick Burgunds in die Hand des Lombarden. In ihrer zweiten Ehe scheint sie sehr unglückliche Jahre verlebt zu haben, denn Hugo war angeblich ein ausgemachter Lebemann und hatte nicht nur mehrere Ehefrauen gleichzeitig, sondern unterhielt in seinem Palast auch zahlreiche Konkubinen. Je nach Quelle liess sich Bertha daraufhin wieder von ihm scheiden (um das Jahr 941 herum) und kehrte als Königinmutter Burgunds in die Westschweiz zurück - oder sie erduldete ihr ungnädiges Schicksal in Oberitalien bis zu Hugos Tod 947, ehe sie über die Alpen an den Hof des frisch vereidigten neuen Königs von Burgund, ihres Sohnes Konrad, heimkehrte. Ihre späten Jahre scheinen etwas ruhiger verlaufen zu sein. Sie gründete unter anderem Kirche und Kloster Payerne, stand ihrem Sohn bei dessen Regierungsgeschäften mit Rat und Tat zur Seite, und starb um das Jahr 961 in der Westschweiz, wo sie sich den Schriften zufolge stets am liebsten aufgehalten hatte. König Otto von Ostfranken, ihr späterer Schwiegersohn, erhob sie zur Äbtissin des Klosters Erstein im heutigen Elsass, wo sie bis zu ihrem Tod verblieb. Ihr offizielles Grab befindet sich jedoch in der Stiftskirche Payerne, wobei moderne Historiker dessen Authentizität immer wieder in Zweifel ziehen. </span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Während Berthas Erstgeborener Konrad das burgundische Königreich ganze 52 Jahre lang regierte (eine unglaubliche Regentschaftszeit für damalige Verhältnisse), wurde ihre Tochter Adelheid / Adelaide später dem ruhmreichen König Otto I (dem legendären Bezwinger der Magyaren auf dem Lechfeld und späteren Kaiser Otto dem Grossen) in die Ehe gegeben und brachte es bis zur Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches. Obwohl die Ägide des Königreiches Burgund kaum 100 Jahre später zu Ende ging (das Reichsgebiet wurde dem Heiligen Römischen Reich einverleibt) prägten Berthas und Rudolfs Nachfahren weiterhin die Geschichte Mitteleuropas.</span></div><div><span class="ff1"> </span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Die Vita der sagenhaften Königin Bertha unterscheidet sich somit wenig von den Schicksalsgeschichten vergleichbarer Monarchinnen ihrer Zeit. Doch welche Umstände verliehen ihr jene unvergleichliche Bedeutung, die sie nicht nur zu einer grossmütigen Landesmutter, sondern auch zu einer frommen Kirchenstifterin und zu einer engagierten Kämpferin für die Rechte der Frauen erhob? Und wie kam der Volksmund dazu, ihr jene legendäre Spindel in die Hand zu geben, welche sie der Überlieferung zufolge selbst im Sattel und auf dem Thron niemals ablegte?</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Die historische Bertha von Burgund scheint über eine Ausstrahlung verfügt zu haben, welche sie deutlich von anderen Herrscherinnen des ausklingenden Frühmittelalters abhob. Davon verkünden die zeitgenössischen Chroniken nichts, doch dafür die landläufigen Sagen umso mehr:</span></div> &nbsp;<div><!--[if !supportLists]--><span class="ff2">·</span><span class="ff2"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</span><!--[endif]--><span class="ff1">Am Thunersee soll Bertha ihren berühmten Traum geträumt haben, worin sie über dem Wendelsee (dem damaligen Thunersee) das zwölftorige himmlische Jerusalem erblickte, und woraus sie die Mission ableitete, rund um den See zwölf Kirchen zu stiften (die heute noch allesamt bestehen...).</span></div> &nbsp;<div><!--[if !supportLists]--><span class="ff2">·</span><span class="ff2"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</span><!--[endif]--><span class="ff1">In Solothurn soll sie nach dem verheerenden Einfall der Magyaren («Hunnen») die Kirche zu Ehren der thebäischen Märtyrer unter Sankt Ursus neu errichtet haben. Bei der Verteidigung der Stadt gegen die Beutereiter seien ihr die neben der Stephanskirche begrabenen Ahnen als kämpfende Totengeister zu Hilfe gekommen.</span></div> &nbsp;<div><!--[if !supportLists]--><span class="ff2">·</span><span class="ff2"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</span><!--[endif]--><span class="ff1">In Düdingen habe sie einen rasenden Auerochsen mit drei Speerwürfen zur Strecke gebracht, und an jener Stelle habe sie als Dank für die erfolgreiche Jagd daraufhin eine Kirche erbauen lassen (noch eine Kirche im Land, die sich auf diese Frau beruft…)</span></div> &nbsp;<div><!--[if !supportLists]--><span class="ff2">·</span><span class="ff2"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</span><!--[endif]--><span class="ff1">In Féchy wird die Königin 937 auf ihrer Hochzeitsfahrt nach Colombier (wo sie Hugo von Arles ehelichen soll) von Banditen überfallen. Holzfäller aus zwei benachbarten Dörfern eilen ihr zu Hilfe und als Dank für ihre Rettung schenkt die Königin den mutigen Landleuten einen ganzen Wald in der Region, der heute noch «Le bois des brigands» (Banditenwald) genannt wird.</span></div> &nbsp;<div><!--[if !supportLists]--><span class="ff2">·</span><span class="ff2"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</span><!--[endif]--><span class="ff1">Im ganzen Waadtland berichtete die ländliche Bevölkerung noch im 19. Jahrhundert, dass </span><i><span class="ff1">la reine Berthe </span></i><span class="ff1">jeweils in der Zeit der Wintersonnenwende und während der Raunächte mit ihrem Gefolge, welches sich gleichermassen aus geisterhaftem Hofgesinde und elbischem Volk zusammensetzte, nachts über Land ritt, um Höfe und Ställe zu inspizieren, fleissige Bäuerinnen zu belohnen und Faule und Nachlässige zu ermahnen oder gar zu strafen.</span></div> &nbsp;<div><!--[if !supportLists]--><span class="ff2">·</span><span class="ff2"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</span><!--[endif]--><span class="ff1">Auf dem Turm von Gourze am Jorat bei Lausanne streue die gute Königin jeweils in den heiligen Nächten zwischen den Jahren mit voller Futterschwinge Körner in die umliegende Landschaft, um eine fruchtbare Saat für das kommende Jahr zu gewähren.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Nur, um einige Beispiele zu nennen...</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1"> </span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Anhand derartiger Sagen wird ersichtlich, dass die verstorbene Königin Bertha in der Vorstellung des einfachen Volkes nach und nach jene Rolle einnahm, welche in vorchristlicher Zeit der Erdmuttergöttin zugeschrieben worden war – nämlich die Rolle einer Hüterin und Bewahrerin, einer Trösterin und Wohltäterin – und nicht zuletzt einer Spenderin von Frieden und Fruchtbarkeit. In anderen deutschen Landen war es die Frau Holle oder die Percht, welche im Winter segnend über Äcker und Fluren zog, die Seelen der kürzlich Verstorbenen in ihre Obhut nahm und die Tüchtigkeit der Bauern und Hirten prüfte. Nicht nur dem Namen nach (Bertha – Perchta – Percht…</span><span class="ff1"> &nbsp;</span><span class="ff1">!), sondern auch aufgrund ihrer Gesinnung und ihrer Handlungen stieg die burgundische Königin demnach in den Status einer mythischen Schutzherrin für das ganze Land auf. Die historische Gestalt verbrämte sich mit einer reaktivierten archaischen Landesgöttin.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Zu dieser Position passt das Attribut der Spindel vorzüglich. In allen alten Mythologien Europas werden die Schicksalsgöttinnen als Spinnerinnen dargestellt. Von den Germanen kennen wir die drei Nornen, wovon die Jungfräuliche den Faden spinnt, die Mütterliche ihn bemisst und die Alte ihn zuletzt abschneidet. Auch Frau Holle und die bayrisch-tirolische Percht legten grossen Wert auf die Fertigkeit des Spinnens und belohnten entsprechende Tugenden fürstlich. Denn wer den Faden spann, hatte ihn wortwörtlich in der Hand - und wusste somit sein eigenes Schicksal zu lenken.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Wenn der Königin Bertha nachgesagt wird, dass sie allzeit mit schwingender Handspindel über Land ritt und die Frauen streng dazu anhielt, dieses Handwerk in Ehren zu halten und ernsthaft zu pflegen, dann betrieb sie dadurch wohl mehr als blosse Volksbildung. Gewiss war es von erheblichem Nutzen, Textilfasern zu Garn verdrillen zu können, um daraus später Tuch zu weben, doch in der symbolischen Übertragung lehrte Bertha ihre Untertaninnen, die Schicksalsfäden ihrer Sippen in die Hand zu nehmen und sich mithin ihrer weiblichen Macht und Magie bewusst zu machen. Genau dies tat die Frau Holle im Märchen, wenn sie ihren Schutzbefohlenen (die fast immer junge Frauen und Mädchen waren) die Kunst des Spinnens beibrachte.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Ein abschliessendes Beispiel aus dem heimischen Sagenschatz mag diesen Zusammenhang verdeutlichen. Da ich diese Westschweizer Sage in den ersten Band meiner Helisee-Saga eingebunden habe, zitiere ich im Folgenden den Originaltext aus dem Roman:</span></div> &nbsp;<div><i><span class="ff1">«In Grahârz erzählt man sich von einem Bauernmädchen aus armem Hause, welches vortrefflich mit Handspindel und Wirtel umzugehen wusste und einen gar köstlichen Faden spann. Als die Königin einst auf ihrem Schimmel über Land ritt, um sich von Freuden und Leiden ihrer Untertanen ein Bild zu verschaffen, kam sie an der armseligen Câla dieses Mädchens vorbei. Lange Zeit habe sie schweigend im Sattel gesessen und die Handfertigkeit des Bauernkindes bewundert. Das Mädchen liess sich nicht beirren und leerte seine Kunkel. Als es aufgehaspelt hatte, reichte es der Königin das gesponnene Garn und schenkte es ihr. Diese Geste habe Berthas Herz so berührt, dass sie zu dem Kind sprach: &lt;Morgen sollst du einen neuen Faden spinnen, vom ersten Hahnenschrei bis zum Sonnenuntergang. Alles Land, das du hernach mit diesem Faden von der Schwelle deines Elternhauses aus umspannen kannst, will ich dir und deiner Sippe als Gabe zuerkennen. Und darüber hinaus spreche ich deine Familie frei. Solch tüchtige Leute wie euresgleichen sollen Herr ihrer selbst sein.&gt; Wer sonst als jemand, der mit seinem Herzen und dem Geist des Landes im Einklang ist, könnte ein solches Urteil verkünden?» </span></i><span class="ff1">(aus: Helisee – Der Ruf der Feenkönigin, S. 140/141).</span></div> &nbsp;<div><i><span class="ff1"> </span></i></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Die Figur der guten Königin Bertha macht mir Eindruck. Nicht nur ihr irdisches Leben, soweit es aufgrund der verfügbaren Aufzeichnungen heute noch nachvollziehbar ist, sondern auch der aussergewöhnliche Prozess der Mythisierung, welchen sie im Lauf der Jahrhunderte durchlaufen hat. Ihr Beispiel belegt deutlich, dass die Menschen stets an ihrem Glauben in eine wohlwollende weibliche Macht festgehalten haben, welche dem Land, dem Boden, der Gemeinschaft ihren Segen bringt und über sie wacht. Auch die Christianisierung mit ihrer Etablierung eines allmächtigen männlichen Vatergottes hat nichts an dieser tragenden Gewissheit, welche seit jeher in der Volksseele verankert war, ändern können. Die Garantie von Frieden, Fruchtbarkeit und Wohlergehen wurde stets durch eine weiblich mütterliche Wesenheit verkörpert, wie sie dem zeitlosen Archetyp der «Grossen Mutter» entspricht.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Bei der Entwerfung der Helisee-Saga beziehe ich mich oft auch solche machtvollen weiblichen Figuren, welche die Schicksalsfäden spinnen. Im Falle der Feenkönigin Helva und ihrer Schwestern haben sie eindeutig einen mythisch-andersweltlichen Ursprung, doch mit der Figur der Königin Bertha versuche ich diesen fürsorglich weiblichen Qualitäten – welche für das Fortbestehen jeglichen Gemeinlebens unabdingbar sind - auch in der menschlichen Sphäre einen festen Platz einzuräumen.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">In diesem Sinne möge jene Ära, «da die gute Königin Bertha ihren Faden spinnt», zeitlos andauern, solange Menschen unser Land bewohnen, denn die Magie der weiblichen Kraft hat auch 1000 Jahre nach dem Verdämmern des Königreiches Burgund nichts von ihrer wegweisenden Bedeutung verloren.</span></div><br><div><span class="ff1"><br></span></div><div><img class="image-0" src="http://www.helisee.ch/images/Reine-Berthe.jpg"  title="" alt=""/><span class="ff1"><br></span></div><div><br></div><div><img class="image-1" src="http://www.helisee.ch/images/Anker_La-Reine-Berthe.jpg"  title="" alt=""/><br></div></div>]]></description>
			<pubDate>Fri, 13 Mar 2026 08:28:00 GMT</pubDate>
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			<title><![CDATA[Elesîr – Ellezir – Helisee – Helvetia]]></title>
			<author><![CDATA[Andreas Sommer]]></author>
			<category domain="http://www.helisee.ch/blog/index.php?category=Fantasy"><![CDATA[Fantasy]]></category>
			<category>imblog</category>
			<description><![CDATA[<div id="imBlogPost_000000004"><div></div><div><b><span class="fs14lh1-5 ff1">Elesîr – Ellezir – Helisee – Helvetia</span></b></div> &nbsp;<div><b class="fs11lh1-5"><span class="ff1">Eine versunkene Stadt bei Schwarzenburg</span></b><span class="fs11lh1-5"> </span></div><div><b><span class="ff1"> </span></b></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Wesentliche Inspirationsquelle für die Erschaffung meiner Romanwelten ist immer wieder die heimische Sagentradition und Historie. Der Berner Altertumsforscher Albert Jahn schrieb zum Beispiel in seiner Studie «Der Kanton Bern, deutschen Theils, antiquarisch-topografisch beschrieben» im Jahre 1857:</span></div> &nbsp;<div><i><span class="ff1">«Keltische Alterthumsspuren zeigen sich wirklich beim nahen Dörfchen Elisried, welcher Ort, in diesem Kantonstheile, der höchste bis jetzt bekannte Punkt ältester Ansiedlung ist. Eine um die Mitte des vorigen Jahrhunderts niedergeschriebene Notiz meldet, dass nach einer alten Sage der dortigen Landleute hier eine Stadt, Namens Ellezir oder Ellzirum, gestanden habe, auf deren Rudera man noch beim Ackern stosze. Neuere, etwas gelehrter klingende Nachrichten lassen die Stadt Helisee, römisch Helisea, oder mehr helvetisch Hellikon geheiszen haben…»</span></i></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Der malerische Bauernweiler Elisried östlich von Schwarzenburg liegt auf einer Hochebene (ca. 800m. ü. M.), die nach landläufiger Anschauung bis in historische Zeit einen kleinen See beherbergte und deshalb noch heute stellenweise stark vernässt ist. Jahn zufolge sind ansässige Bauern beim Pflügen im 19. Jahrhundert immer wieder auf Reste von Mauern und Pflästerungen, auf die Spuren eines kreisrunden Walles mit umlaufendem Graben, auf sogenannte Schanzlöcher (Spuren einer Belagerung?), Münzen, Keramikscherben und Ziegelfragmente aus antiker Zeit gestossen.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Gehäufte Gräberfunde veranlassten den Berner Archäologen und Bergbauexperten Edmund von Fellenberg in den 1880er Jahren zu einer ausgedehnten Grabung in diesem Areal, welche 99 (!) Grabanlagen mit reichen Beigaben zutage förderten. Die Funde wurden auf das burgundische Frühmittelalter datiert. Dass nach der Sage unter einem Ofenhaus in Elisried ein «König aus altvorderer Zeit» begraben liege, bestätigt ein Bericht Jahns, wonach «…</span><i><span class="ff1">unter einem Gewölbe, der Bestattete auf einem zwanzig Zentner schweren, gelben Stein ruhte. Zu seinen Füssen lag ein feiner, sanft anzufühlender blauer Sand.»</span></i></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Solche Berichte regen meine Fantasie in höchstem Masse an, zumal wenn ich mit den topografischen Verhältnissen vertraut bin und mich vor Ort in geschilderte Situationen aus früheren Zeiten einfühlen kann.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Jedenfalls haben mich Jahns Angaben dahingehend inspiriert, die bis dato nicht näher erforschte versunkene Stadt östlich von Schwarzenburg zum Vorbild der «Toten Stadt» Elesîr zu erheben, welche in meinem Romanepos eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Selbst an den im Volksmund überlieferten Namen dieser «sagenumwobenen Heidenstadt» habe ich mich angelehnt: Aus Ellezir/Ellzirum wurde demnach Elesîr. Das Dorf Helikum, welches in der Romanhandlung im 10. Jahrhundert von geflüchteten Bauernfamilien bewohnt wird, leitet sich natürlich von der keltischen Lesart «Hellikon» her. </span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Auch an der Überlieferung von der «Römerstrasse», die von Thun ausgehend durch das gesamte Üechtland, an Hellikon/Helisea vorbei, bis nach Aventicum geführt habe, wird selbst in wissenschaftlichen Kreisen hartnäckig festgehalten. Alte Relikte einer aufwendig angelegten Strassenspur durch den Sandstein der Sensechlucht wurden in der Torenöli westlich von Schwarzenburg freigelegt und restauriert. Auch diese «Romanenstrasse» oder «Alte Strasse» benutzen die Protagonisten der «Helisee»-Saga regelmässig.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Was nun den Namen «Helisee» anbelangt, so bezeichnet Jahn damit die zerfallene Stadt selbst. Andere Autoren, z.B. der Deutsche Heinrich Zschokke, welcher 1831 erstmals die lokale Sage um die Feenkönigin Helva und den Hirtenjungen Erni aufzeichnete, beziehen diesen Namen auf den verlandeten See nahe Elisried. Ich selbst habe mich für eine weitere Option entschieden und «Helisee» als Name für das andersweltliche Reich der Feenkönigin gewählt. Stichhaltige Argumente dafür liefert mir die Mythologie. «Hel» war bei den germanischen Stämmen (und womöglich auch bei benachbarten keltischen Völkern) der Name der Unterweltgöttin, welche in ihrem entrückten Paradies «Helheim» die Seelen der Dahingegangenen hütete. Sie hat vermutlich für die bekannte Frau Holle aus dem deutschen Märchenschatz Pate gestanden. Heute noch gebräuchliche Wörter der deutschen Sprache wie «Höhle», «Hölle», «Hehler», «verhehlen» leiten sich von dieser altvorderen Göttin her, welche die Schwelle zwischen den Welten bewachte und Seherinnen und Schamanen auf ihren Reisen durch «andere Sphären» begleitete.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Für die Schweizer klingt die Silbe «Hel» darüber hinaus im alten Landesnamen «Helvetia» besonders markant an. Hatten die keltischen Helvetier, welche über Jahrhunderte das ganze Gebiet zwischen Boden- und Genfersee bewohnten, eine besondere Beziehung zu dieser Göttin «Hel»? Oder nannten sie ihre lokale Ausprägung der archaischen Erdmuttergöttin gar «Helvetia» oder «Helva»? Auf jeden Fall schwingt in diesen noch nicht enthüllten Zusammenhängen für mich ein tiefes Geheimnis mit, welches einiges über unsere antiken Vorfahren und deren Beziehung zum von ihnen bewohnten Mutterboden aussagen könnte. Wenn die Väter der geistigen Landesverteidigung nach der Gründung des Schweizer Nationalstaats 1848 die Symbolfigur «Helvetia» kreierten (die auch auf heute gebräuchlichen Münzen, beispielsweise dem 50-Rappen-Stück, immer noch abgebildet ist), dann erfanden sie dadurch wohl nichts Neues, sondern hauchten einfach einer längst entschlafenen Landesgöttin aus der keltischen Vorzeit unseres Landes neues Leben ein.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Dass «Helisee» ein verborgenes, ein entrücktes und von magischen Kräften durchdrungenes Reich ist, erhärtet seine Verbindung mit Helheim, dem «lichten Paradies der körperlosen Seelen» aus der germanischen Mythologie.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Und was hat der bekannteste Boulevard der französischen Kapitale Paris damit zu tun, die «Champs Elysées»?</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">«Les Elysées» bezeichnet im Französischen die «Elysischen Felder», das Jenseitsparadies der Römer, quasi das Pendant zum germanischen «Helheim». «Elysées» auf Französsich liegt also noch viel näher bei «Helisee».</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Ein Anderland, eine Parallel-Sphäre, das Reich der Feen und Elbischen, gehütet von geheimnisumwobenen zaubermächtigen und weiblichen Wesenheiten, welchen den Nimbus archaischer Göttinnen verstrahlen. Das sind jene Feenlande «Helisee», welche namensgebend für meine Romanreihe wurden – und die darin beschriebenen Verhältnisse massgeblich prägen.</span></div> &nbsp;<div><span class="ff1">Mein herzhafter Dank an Albert Jahn, Heinrich Zschokke und Johann Jakob Jenzer, für Eure wegweisenden Impulse aus dem vorletzten Jahrhundert!</span><span class="fs11lh1-5 ff1"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</span></div><div><img class="image-0" src="http://www.helisee.ch/images/Elisried-bei-Schwarzenburg.jpg"  title="" alt=""/><span class="ff1"><br></span></div><div><br></div><div><img class="image-1" src="http://www.helisee.ch/images/Graeberfeld-bei-Elisried.jpg"  title="" alt=""/><br></div></div>]]></description>
			<pubDate>Fri, 13 Mar 2026 08:13:00 GMT</pubDate>
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